nayss
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Joined: Jun 2012
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RE: P4 - Aufstieg einer Dynastie gewinnt deutschen Entwicklerpreis!
hallo,
ich bin doch ehrlich gesagt sehr ueberrascht ueber diesen preis.
ich spiele seit jahren schon patrizier 2 gold, und habe jetzt nach langer zeit die gelegenheit gehabt, auf dem pc eines sohnes einer freundin waehrend deren urlaub das spiel patrizier 4 zu spielen.
um ehrlich zu sein hatte ich mir mehr erhofft, bei einem umstieg von p2 auf p4. kurz gesagt :
...ich bin schwer enttaeuscht !
da haette man viel mehr draus machen koennen, aber das ergebnis ist einfach nur enttaeuschend. das ist mehr wie schade.
ich moechte folgende kritik veroeffentlichen, die im original nicht von mir stammt, sondern von m.zenker und auf amazon geschrieben wurde, was aber auch meinen standpunkt recht gut wiedergibt :
Quote:Das Original-Patrizier war ein Meilenstein der Wirtschaftssimulationen, Patrizier II und die inoffiziellen Fortsetzungen in der Karibik (Port Royal und Port Royal II) waren ebenfalls großartige Spiele. Nach den vielen Vorschusslorbeeren und der guten Fortsetzung der Tropico-Reihe durch Kalypso hatte ich mir eigentlich große Hoffnungen auf Patrizier IV gemacht, die dann doch sehr enttäuscht wurden. Patrizier IV ist kein schlechtes Spiel - beileibe nicht. Aber kennt man die Vorgängerspiele, so ist außer 3D-Grafik der Städte nichts Neues in der Hanse zu finden...
Besonders enttäuschend empfinde ich es, dass die gesamten Innenansichten der Gebäude quasi bei Patrizier II stehen geblieben sind. Belebte Rathäuser oder Kaschemmen in 3D? Wenigsten animierte 2D-Grafiken? Fehlanzeige. 2D-Standbilder sollen wohl ein Back-To-The-Roots-Feeling erzeugen. Die Städte sind relativ ausgestorben - kein Gewimmel auf den Straßen und die maximale Zoomstufe ist auch enttäuschend. Außerdem sehen alle Städte mehr oder minder gleich aus. Die sehr begrenzte Kartenansicht tut ihr übriges, einen Fortschritt zu Patrizier II vermissen zu lassen.
Das Handelssystem ist durchaus der beste Teil des Spiels - sollte es bei einer Wirtschaftssimulation ja auch immer sein. Die Steuerung des Wareneinkaufs und -verkaufs komplett per Maus ist gut gelungen und geht flüssig von der Hand. Mit dem ersten Konvoi sind so schnell die ersten Tausender auf dem Konto. Lässt man dann noch den Kontorverwalter clever ein- und verkaufen, sind die ersten paar Stufen ein klacks... fast schon zu einfach.
Nervig ist, dass das Beförderungsmodell mehr oder minder komplett aus Port Royal II übernommen wurde - mit allen Schwächen, die es dort bereits aufgewiesen hat. Man steigt in eine höhere Stufe automatisch auf, wenn man genug Geld / Schiffe / Arbeiter / Kontore sein eigen nennt. Gleichzeitig steigen aber auch die Preise für bspw. Weiterbildung von Kapitänen, Schatzkartenteilen, Gildenmitgliedschaften extrem an. Hat man irgendwann einen Kontorverwalter, so ist es fast unmöglich, in der Beliebtheit wieder abzusinken; diese hat in den Städten auch nur die Aufgabe, eine Schwelle für das Erwerben von Lizenzen zu bilden. Dabei hätte gerade der Hintergrund von Patrizier deutlich mehr Möglichkeiten im Bezug auf Ansehen ermöglicht.
Der Schiffbau ist leider eine herbe Enttäuschung. Wo Port Royal II zumindest noch mit vielen Schiffsklassen punkten kann, wo Patrizier I (sic!) Werften mit unterschiedlichen Fähigkeiten aufwies (die Schiffe hatten dann unterschiedliche Geschwindigkeiten bzw. Laderaum), gibt es faktisch nur 3 Schiffstypen (kann sein, dass da später im Spiel doch noch eine Karavelle oder ähnliches kommt...), die in jeder Werft gleich sind. Auch ist es wenig vermittelbar, dass bis zu einer bestimmten Stufe meine Koggen die Flüsse nach Novgorod und Köln befahren können, nur um dann plötzlich zu groß dafür zu sein. Das ist einfach unlogisch. Die Bewaffnung der Schiffe ist ein Witz - ich baue ein Schiff in zwei Stufen aus, und dann sind Kanonen etc. einfach drauf. Kein Vergleich mit Patrizier I, wo ich noch Bliden, Katapulte, Kanonen einkaufen und meine Schiffe ausrüsten konnte, kein Vergleich selbst mit Port Royal II, bei dem ich zumindest die Ausrüstung der Schiffe überprüfen musste. Lediglich die Zahl der Matrosen kann ich in der Kneipe ändern - wobei in Städten, in denen ich noch keinen Handel getrieben habe, seltsamerweise kein einziger Matrose anheuern möchte... das ist lahm.
Ebenso lahm und der ziemlich schlechteste Teil des Spiels sind die Seeschlachten. Zwar kann ich bis zu drei eigene Schiffe in die Schlacht bringen - mein Gegner ebenso - aber was dann folgt ist einfach nur langweiliges und ewig dauerndes Geklicke. Die Schiffe kämpfen halb automatisch. Es gibt drei Arten von Munition: Vollkugeln (zerstören den Rumpf), Kettenkugel (zerstören Takelage), Streukugeln (Räumen die Decks von Matrosen leer...) - das kennt man bereits aus Port Royal II. Aber während man in Port Royal II seine Gegner erst manövrierunfähig schießen konnte, um dann die Mannschaft zu dezimieren und dann das Schiff zu kapern, kann man bei Patrizier IV mehr oder minder nur die Gegner der Reihe nach versenken und erhält dann (aber nur in der manuellen Schlacht...) das letzte Schiff. Zerstören der Takelage? Macht die Gegner nicht wirklich langsamer oder manövrierunfähig. Vernichten der Mannschaft? Laden die Kanonen langsamer nach, mehr nicht. Entern? Nicht möglich. Insgesamt einfach nur enttäuschend. Aus spielerischer ebenso wie aus grafischer Sicht. Kanonenkugeln, die in Zeitlupe übers Wasser schweben. Schiffe, auf denen keine wuselnden Matrosen im Todeskampf zu sehen sind. Und: keine Möglichkeit, von der eigenen Kogge aus mal den Blick in 3D über den Hafen schweifen zu lassen. Da wäre so viel möglich, wenn man denn wollte...
Der allerschlimmste Fehler von Teil IV: wo ist das Badehaus? Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass da mit Hinblick auf einen prüden US-Markt produziert wurde. Dabei war gerade das Badehaus mit seinen Bestechungsmöglichkeiten und sozialen Interaktionen ein Highlight in Patrizier. Da es das in Port Royal II nicht gibt, haben die Entwickler es wohl einfach vergessen...
Der gesamte Familienstrang ist ebenfalls zu kurz geraten. Zwar kann man irgendwann ein kleines Porträtfoto heiraten, erhält ein bisschen Mitgift, aber das wars dann schon. Bereits nach sieben Monaten war meine erste Tochter da - mit sicherlich tollen Überlebenschancen mitten im Mittelalter... Und während man sich bei Port Royal II zumindest noch mit seiner Frau unterhalten konnte, schweigt einen die mittelalterliche Version einfach nur an. Enttäuschend. Dabei wäre gerade hier mit heutigen Mitteln mehr möglich, bspw. der Ausbau des Kontors, der Erwerb eines Gutshauses vor der Stadt oder ähnliches. Rennpferde und schicke Kleider kaufen. "Den Patrizier raushängen lassen..."
Gesamtfazit:
Für ein paar Stunden Spielspaß reicht Patrizier IV durchaus aus. Wirklich Spaß kommt aber an keiner Stelle auf - dafür ist der Spielverlauf viel zu geradlinig und durchschaubar. Von der Vorlage her ist die Patrizier-Reihe eine Steilvorlage. Ich kann mich aber nicht des Eindrucks verwehren, dass hier mit dem guten Namen und einer mehr oder minder lieblosen Umsetzung schnelles Geld verdient werden soll. Die Chance, wirklich Innovation in den schon etwas angestaubten Bereich der Wirtschaftssimulationen zu bringen, wurde kläglich vertan. Lebendige und unvorhersehbare Spielwelten wären hier ebenso wünschenswert wie eine Prise Rollenspiel und Charakterentwicklung. Die Zeiten des verschiebens von Zahlen in Tabellen lockt heute doch nur noch Nostalgiker hinterm Ofen hervor...
positiv:
+ umfangreiches Warensystem
+ ausreichend Handelsmöglichkeiten
+ gute Handelssteuerung mit der Maus
negativ:
- nervige Schiffskämpfe
- Ablauf zu geradlinig --> Beförderungssystem, Preisgestaltung der Waren...
- fehlende Vielfalt auf dem Wasser
- statische Grafiken in den Gebäudeansichten
- wiederholende Aufträge
- fehlende, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten
- keine Weiterentwicklung des Genres der Wirtschaftssimulation - this is so 90's...
dem kann ich mich nur anschliessen.
...und an alle hier im forum : ja, ich bin ein anhaenger dieses spiels, trotz der kritik. aber eine wirkliche weiterentwicklung des spiels habe ich halt leider nicht feststellen koennen, zumindest keine, die zwei versionsnummern unterschied in meinen augen rechtfertigen wuerde.
falls einer der entwickler / programmierer diese kritik lessen sollte und sich dieser kritik annehmen sollte, ich bin gern bereit als tester fuer p5 konstruktiv mitzuarbeiten. 'meckern' kann jeder, dessen bin ich mir bewusst.
mfg nays
post scriptum :
...trotz allem moechte ich gratulieren, schliesslich steckt immer viel arbeit in einem solchen product / spiel.
(jedoch waere es besser gewesen, die energie hierfuer gleich richtig zu investieren...  )
(This post was last modified: 30-06-2012 12:48 PM by nayss.)
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