Erfahrungen auf Schwierigkeitsstufe Profi
#1
Im Forum liest man relativ wenig über die höheren Schwierigkeitsstufen wie "Profi".

Mit Patch v1.1.0 habe ich mehrere Partien auf Profi gestartet und ein bißchen ausprobiert, mit welcher Strategie ich in der Startphase am Besten auskomme und die für ein ausgeglichenes Handelssystem notwendigen Entwicklungspunkte für Produktion und Infrastruktur möglichst schnell bekomme. (siehe hier) Die letzte Partie habe ich dann testweise friedlich bis Kaiser durchgespielt. (Im Rückblick hätte ich einige Investitionen anders verteilt und den Rang vermutlich noch früher erreichen können.)

Freies Spiel : Europa, 8 Spieler
Start : Deutschland, Gütersloh
Schwierigkeitsgrad (Profi, 1 Stadt, 200k)

Rang 16 (Kaiser) mit 46k Punkten erreicht im Jahr 1062 in Woche 31.
90 Städte, 1.764 Betriebe, 161.551 Einwohner
-> ca. 500 Punkte pro Stadt, mehr als die Hälfte der Städte hat nur 1.000 Einwohner oder weniger.
Mehr als 3 Regionen wurden besiedelt : Deutschland (88%), Frankreich (100%), Skandinavien (39%), Polen (34%), Spanien (16%), Italien (13%)

Beste KIs zum Ende : Italien/Balkan-KI und Nordafrika-KI, je 16k-17k Punkte, Rang 9, 17-21 Städte, 55k Einwohner

Wie unterscheidet sich "Profi" von "Normal"?

(Siehe Details zum Schwierigkeitsgrad im Spiel-Setup)
- Man benötigt deutlich mehr Territorium, um im Rang aufzusteigen und Entwicklungspunkte zu bekommen.
- Man verdient deutlich weniger Geld, da die Preisspannen für Handel kleiner sind und in Städten ab 5.000 Einwohnern ein zusätzlicher Preisverfall wirkt
- Militärkosten (Unterhalt) sind um 50% erhöht.
- Es werden etwas mehr Waren für gleichen Wohlstand benötigt.
- Beliebtheit durch Handel in fremden Städten wächst langsamer.

Rang Gebiet benötigt (Normal .. Profi)
01 Dorfmeister....... 00.000 .. 00.000
02 Gutsherr........... 01.200 .. 01.400
03 Kaumann.......... 01.900 .. 02.600
04 Großkaufmann.. 02.700 .. 04.100
05 Patrizier............. 03.600 .. 05.800
06 Edelmann.......... 04.600 .. 07.900
07 Baron................ 05.700 .. 10.200
08 Graf................... 06.900 .. 12.900
09 Markgraf............ 08.200 .. 15.900
10 Fürst................. 09.600 .. 19.200
11 Großfürst.......... 11.100 .. 23.000
12 Herzog.............. 12.700 .. 26.800
13 Großherzog....... 14.400 .. 31.000
14 Prinz................. 16.200 .. 35.000
15 König................ 18.000 .. 40.600
16 Kaiser................ 20.000 .. 46.000

Preisspanne am Bsp. Baumaterial
Normal : 40..68
Profi : 40...54 bzw. 40..48 (Preisverfall in Städten ab 5.000 Einw.)
(Einkaufspreis ist jeweils 40, aber der maximale Verkaufspreis bei Mangel sinkt von 68 (Normal) auf 54 bzw 48, was letztlich einer Preisdifferenz zwischen Kauf/Verkauf von gerade einmal 20% entspricht (gegenüber 70% auf Normal). Aus diesen 20% müssen der Unterhalt für Händler und Militär, Infrastruktur-Verbesserungen, Bau neuer Betriebe und Städte etc. finanziert werden.)  

Erfahrungen und Eindrücke

Im ersten Jahr mit nur einer Stadt und geringer Baumaterialproduktion können Warenfunde und Schätze noch alle Ausgaben für Bauprojekte finanzieren, so daß man immer eine Reserve von ca. 200k Geld hat. Sobald man im zweiten Jahr expandiert und neue Städte gründet, hat man deutlich mehr Optionen zum Geld ausgeben als Geld vorhanden ist bzw. durch Handel wieder reinkommt. Dadurch ist das Startkapital schnell aufgebraucht und man muß sich gut überlegen, welche Städte/Betriebe für die eigene Strategie wichtig sind und welche nicht. Ab da ist das Spiel für lange Zeit eine Mangelverwaltung, in der man zwar genug Baumaterial, aber nicht genug Geld für Bauprojekte hat. (Den Tribut-Exploit für 1 Mrd Geld habe ich nicht verwendet.) Aufträge von den neutralen Städten und der KI sowie ein gelegentliches Würfelspiel in der Taverne bringen in dieser Situation etwas Abwechslung und dringend benötigtes zusätzliches Geld in die Kasse. (Frühe Friedensverträge zeigen alle Städte der KI und erlauben gezielten Handel, sobald die Straßensysteme miteinander verbunden sind.)

Neben der deutlich reduzierten Handelsspanne liegt ein weiterer Grund für die langsame Entwicklung der Wirtschaft in den gestiegenen Rangkosten. Für Rang 7 Baron (= 21 Entwicklungspunkte) benötigt man mit 10.200 Punkten knapp doppelt so viel wie auf normal bei deutlich geringerer Expansionsgeschwindigkeit. Um alle Produktionssteigenden Entwicklungen und einige Infrastrukturverbesserungen wie Depot, Treck freizuschalten, benötigt man mindestens Rang 7.

(Frühe) Stadtübernahmen sind in v1.1.0 wieder teurer, weil man für "Bündnis beibehalten" keine Sympathie mehr bekommt und so relativ viel Geld für Sympathie-Steigerung und den finalen Kauf aufwenden muss, das man lieber in die eigenen Städte investieren würde. Dazu passen die übernommenen Städte (mit Ausnahme vielleicht von Worms) bekanntlich nicht besonders gut in die Standard-Bebauungsstrategie der meisten Spieler, so daß man die Städte gerne umbauen würde, was die Sache zusätzlich verteuert. Langfristig kommt man um eine Übernahme natürlich nicht herum, wenn man die Ressourcen und das Territorium (Punkte) der neutralen Städte möchte.

Der friedliche Aufstieg bis zum höchsten Rang setzt wegen der hohen Zahl von 46.000 Punkten ein entsprechend großes freies Territorium voraus. In diesem Spiel waren zum Glück Frankreich und Skandinavien frei, Polen hat sich Richtung Russland ausgedehnt und Italien Richtung Balkan. Würden 14 statt 8 Spieler auf der Karte starten, wäre es deutlich enger und wohl nur die Rand-Spieler wie Russland, Nordafrika und Arabien hätten eine Chance auf ausreichend Expansion, während die Mächte in Mitteleuropa wegen des begrenzten Territoriums die höheren Ränge (und damit Entwicklungspunkte) deutlich schlechter und wohl nur über Krieg oder Kolonien erreichen könnten. Das auf Territorium basierte Entwicklungssystem ist an dieser Stelle besonders unbalanciert (und wohl auch unhistorisch, da Reiche mit besonders großen Territorien und verschieden-sprachigen Völkern wie zB Russland sich wegen der administrativen Herausforderungen (u.a. Verwaltung, Kommunikation) und hohen Infrastruktur-Kosten eigentlich historisch schlechter entwickelten als kleine Reiche mit hoher Bevölkerungsdichte.)

Insgesamt war es eine interessante Partie, wobei besonders die gesteigerte Notwendigkeit zur Zusammenarbeit (Aufträge) mit den fremden Städten gut gefallen hat, da man das zusätzliche Geld wirklich gut brauchen konnte. (Da liegt noch Potential für die Entwickler für friedliche Partien.) Anführer geben eine gern gesehene Verstärkung der kleinen eigenen Armee, die hauptsächlich die Banditen in den zahlreichen Gebieten bekämpft. (Banditenlager mit bis zu 10 Rittern in Frankreich sind erst spät zu knacken, da vorher das Geld fehlt.) Piraten sind eine nette Abwechslung, wobei es auf Profi sehr lange dauert, bis man sich die 50k für eine Kogge und den hohen Unterhalt leisten möchte. Stadtmauern und Blidenmeister kamen in dem friedlichen Spiel nicht zum Einsatz.

Ich denke, man sollte GA:M nicht allein nach den Spiel-Erfahrungen auf "normal" beurteilen. Im Vergleich zu Spielen aus früheren Jahrzehnten wirkt die Schwierigkeitsstufe "normal" in GA:M im Rückblick sehr, sehr leicht (zum lernen bzw. für schnelle Multiplayer-Partien), wobei der frühe Geld-Überfluß das Spiel eigentlich vieler Herausforderungen beraubt und es dadurch fast schon "kaputt" macht (wie ein Cheat-Modus). "Profi" dagegen entspricht gefühlt eher der normalen Schwierigkeit in früheren Spielen (Singleplayer-WiSim) und ist durch den chronischen Geldmangel deutlich "entschleunigt" und belohnt strategisches Vorgehen (Planung) stärker.
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#2
Danke für den Erfahrungsbericht. Ich habe selbst gestern ein Spiel auf Profi gestartet und obwohl ich Geldmässig keine Probleme habe, bin ich scheinbar in einer Sackgasse gelandet. Von Beginn an habe ich mich beeilt 12 Städte(also ein Vielfaches von 4) zu gründen, welche ich zu einem Komplex zusammenfassen möchte. Da ich aber zwecks langfristiger Optimierung dicht baue, habe ich nun unbefriedigend wenig Forschungspunkte und weitere Ausdehnung ist nicht wirklich möglich, weil alles bebaut.

Städte aufkaufen ist mir zu nervig (kann man doch nur Neutrale Städte oder gehen auch KI Städte? Hab ich noch nicht probiert.) also werde ich wohl ein Militär aufbauen müssen. Zwar haben von den 8 KI Spielern die meisten "nur" 2000 Soldaten, also ein Wert, dem ich ökonomisch vermutlich gewachsen wäre, wenn ich die Städte noch weiter ausbaue, aber wenn ich Befestigungswerte von 30000-50000 sehe, dann wird das schon sehr mühsam werden 8-12 Städte zu erobern. Aber mal schauen, vielleicht geht das mit den neuen Belagerungseinheiten viel leichter.

Ich bin eher der Spieler, der sich gerne abkapselt und dann in Ruhe aufbaut, trotzdem mag ich es, wenn ein Spiel möglichst fordernd ist. Den Handel mit der KI finde ich in GAM eher suboptimal. Ja man kann damit viel Geld verdienen, aber wenn man einen 12-Komplex hat, der aufeinander abgestimmt ist, dann ist es ziemlich ärgerlich, wenn ein KI Händler aufs Depot fährt und die Nahrung mitnimmt...Eine Zeitlang habe ich mich gewundert, warum ich trotzdem leichtem Überschuss in den äusseren Städten Hungersnöte hatte, aber ich bin mir sicher, der KI Händler war der Grund. Grundsätzlich ist es sehr empfehlenswert auf Profi einen leichten Nahrungsmittelüberschuss zu haben (grüne zahlen besser als weisse), da werde ich in der nächsten Runde besser vorbereitet sein.

Entweder probier ich mal ein militärisches Vorgehen gegen eine schwache KI oder ich fang neu an und stell KI Startkapital auf niedrig und rushe am beginn mehr als 12 Städte.
Ein Problem beim Militär ist auch, dass neutrale Städte ziemlich bald Bündnisse haben. Auch hier ist man in einer Zwickmühle: Sicher wäre es klug sich einen KI Spieler fürs Bündnis zu holen und ihn auf einen weiteren KI Spieler zu hetzen, aber dann hat man wieder die KI Händler am Depot sitzen...

Achja, noch eine Sache: Wenn man Militärisch aktiv ist, dann wird man zwangsweise Haufenweise Waren stehle. Ich frage mich aber, welchen SInn das hat? Geld bekommt man keins, eher im Gegenteil: durch eine massive "Überproduktion" im eigenen Gebiet, machen die Betriebe verlust.
Vielleicht ist es gut, wenn man KI Städte aushungert, weil dann die Verteidigung sinkt, aber irgendwie muss man die Waren loswerden. Vielleicht geht das ja über Tauschgeschäfte im Gasthaus, das werde ich mir mal anschauen, wie das genau funktioniert.

PS.:

So, ich hab kurz ein neues Spiel angefangen um ein paar Dinge zu testen und wenn ich später nochmal "richtig" von Vorne anfange, werde ich mal eine ganz andere Strategie verfolgen und zwar großflächige Expansion. Bisher bin ich immer sofort auf Weiterverarbeitungsbetriebe gegangen, aber ich glaube eine andere gute Strategie ist es mit vielen kleinen Städten anzufangen und diese mit den Grundprodukten zu versorgen (zB Honig, Salz Wein etc). Denn die einfachen Betriebe amortisieren sich eigentlich auch ziemlich schnell und sind einfacher zu handhaben und was sehr interessant ist: Steuern. Wenn man viele kleine Dörfer hat mit hohem Wohlstand, dann wirken sich Steuern ziemlich stark aus. Das heisst mit "unproduktiven"(weil noch keine Forschung) Betrieben kann man indirekt über die Bevölkerung einiges an Einkommen erzeugen.
Auch interessant sind alternative Forschungsschwerpunkte, wie zB 2x Siedler forschung (die 3. find ich sinnlos) wäre eig eine Überlegung wert, weil sich nämlich dadurch Eisenwaren aus dem nichts erzeugen lassen (Man investiert 500 Ziegel und 250 Holz und erhält bei Neugründung 60 Eisenwaren, die man billig zurückkaufen kann). Auf der anderen Seite ist die Siedlererforschung auch irgendwie sinnlos, langfristig betrachtet.. Auf Profi zählt jeder Forschungspunkt und es ist auch die Frage wie die extreme KI Expansion mit dem Spielerfortschritt zusammenhängt. Blöd wäre es, wenn die KI ebenso schneller expandiert, je mehr Siedlungen der Spieler hat, aber ich vermute es ist Rangbasierend wie schwer das Spiel ist. Ich hoffe, dass der KI Fortschritt zeitbasierend ist, das würde das Spiel interessant machen.
Oder ich investiere statt in Siedlerforschung in Karren und Straße, das hat einen langfristigen nutzen(damit ich dann im Midgame nicht in einer Sackgasse stecke, sondern noch mehr Geld für Militär habe) und spart kosten, denndie laufenden Kosten der Karren fallen auch ziemlich ins Gewicht am Anfang. Bei meinem letzten spiel hatte ich oft Transportengpässe und war ständig damit beschäftigt die Karren aufzustocken. Gute Logistik bringt auch einiges an Geld, denn wenn sich wo Waren anhäufen, dann bedeutet das indirekten Reichtumverlust(=höhere Produktionskosten und weniger Steuern)

Bisher gefällt es mir sehr gut, dass man in einem Wirtschaftsspiel scheinbar nicht genug Geld haben kann, denn Militär kann man nicht genug haben und Militär ist so teuer, dass man zumindst eine sehr lange Zeit nicht dauerhaft die maximale Anzahl an Einheiten unterhalten kann.
Und auch beim Militär gibt es eine interessante Abwägung die man treffen muss: situationsabhängige Massenproduktion(wo Geld als "Puffer" dient) oder dauerhaftes Veteranenheer. Ich finde es gut, dass beim Militär die laufenden Kosten in so einem "aggressiven" Verhältnis zu den einmaligen Kosten stehen^^ Auch da werde ich noch experimentieren müssen, was besser geeignet ist.
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#3
Hallo Smile,

da es möglich ist gezielt die Beziehungen zu einzelnen Städten zu verbessern, ist es auch möglich Städte der KI welche nicht als Einzelstadt neutral sind diplomatisch zu übernehmen. Das läuft natürlich ebenfalls über den Handel und ist deshalb bei Kriegserklärungen nicht möglich.
Ansonsten aber schon.
Im Profimodus hätte ich ohne Diplomatie nicht lange überlebt. Dabei habe ich eine Erfahrung gemacht, welche ich hier weitergeben möchte. Die Truppen der KI sind eigentlich ständig auf der Reise und nur selten in einer Stadt gebündelt.
Scheinbar habe ich eine Stadt diplomatisch übernommen in welcher zum Zeitpunkt meiner Übernahme sehr viele Truppen meines Bündnispartners stationiert gewesen sind.
Es sieht so aus, als habe ich mit der Übernahme diese Truppen vernichtet und damit ungewollt meinen stärksten Bündnispartner so geschwächt, das er von meinem eigentlichen stärksten Gegner praktisch überrollt wird.
Da ist also wohl noch ein Element im Spiel, welches beachtet werden sollte.
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