Das Problem aus Sicht langjähriger Kunden ist vor allem:
Die Punkte scheinen genau das zu sein, was ein erfolgreiches Spiel ausmacht.
Digitale Distribution über Appstores oder Steam & co. hat für den Hersteller eben genau die Vorteile des fehlenden Gebrauchtmarktes. Ist der Appstore im OS erst richtig integriert, enfällt auch das komplizierte Installationsprozedere für Tante Emma!
Schlimm sind in diesem Zusammenhang aus der sicht alter Gamer auch die Browsergames, wo Klassiker wie Pizza Connection drittverwertet werden und den Leuten Geld für Upgrades und/oder viel Zeit aus den Rippen geleiert wird.
Aber die Leute stehen offenbar drauf...
Früher unter DOS musste man das OS zu nutzen Lernen. D.h. die Leute waren auch eher bereit, Geld für ein Spiel auszugeben und sich in Spielemechaniken einzuarbeiten.
Heute gibts Windows, Plug n Play, Appstores und jeder Depp hat irgendeine Art Computer. Es wird nach seichter Unterhaltung gesucht, 3,99 für eine Casual App, die nach einer Woche nicht mehr angerührt wird.
Ja, die PC-Spielekultur befindet sich definitiv im Niedergang...
Allerdings ist trotz der zunehmenden Dominanz der Konsolen der Markt immer noch groß und man kann Perlen finden.
Um mal einige überzeugende Produkte zu nennen:
-World of Goo ist das überzeugendste Spiel der letzten Jahre aus meiner Sicht.
-Trine hab ich auch gern gespielt und extra auf die Verfügbarkeit auf CD geachtet
-Dieses Jahr sollen als absolutes Novum zwei Handballsimulationen kommen
-Sobald ich mehr Zeit habe, werde ich mir mal einige Paradox-Produkte zu Gemüte führen (Europa Universalis & co.)
Man muss halt schauen, wo zu suchen ist. Im Laden steht meist nur die Massenware. Nebenbei fand ich die schlimmste Enttäuschung Sim City Societies. Bei der Ankündigung freute ich mich auf ein um Soziale Komponenten/Soziale Stadt erweitertes SC4, war aber nur ein SC für Dreijährige mit seltsamer Theorie dahinter...
In wenigen Jahren wird es mit den Spielepublishern wahrscheinlich genauso sein wie mit den Verlagen oder Musiklabels. Es gibt Massenpublisher wie EA entsprechend Massenverlagen wie dtv. Dann Billigpublisher wie bei den Verlagen meinentwegen Bastei. Große Independent-Publisher. Kalypso könnte vielleicht tatsächlich das SPV der Spielepublisher werden, scheint auf einem ganz guten Weg dahin.
Oder eben kleine Unterpublisher und Entwickler wie Paradox, welche sich auf ein ganz spezielles Klientel spezialisiert haben.
Bis jetzt wurde diese Entwicklung übrigends kaum von Presse und Spieleportalen, oder auch von Geschäften nachvollzogen. Bei Musikzeitschriften gibt es ja z.B. Musikexpress, Rolling Stone oder Sonic Seducer mit jeweils ganz bestimmten Zielgruppen. Bei Musik ist ein Mediamarkt gut nach World Music, Country, Independent und Rock/Pop organisiert, die Computerspiele finden sich alle auf einem Haufen.
Mich interessieren so Standard Casual Games wie Singstar, Mah Jongg oder Tetris auch kaum. Zumal wenn es sie nur als App gibt. Daneben finde ich 3D-Shooter und knallharte Echtzeitstrategie auch nur bedingt interessant. Ich mag gerne Aufbauspiele, Wisims, Autorennen und freue mich über innovative Spielideen aus dem Homebrew- und Indepenent-Bereich. Sportspielen und Flugsimulationen bin ich auch nicht abgeneigt, sofern die richitige Balance aus Fun und Simulation gefunden wurde.
Daneben lehne ich Downloadversionen und übertriebene Produktaktivierung und Gängeleien (Ubi Soft!) ab.
Ich finde, dass hier die Publisher- und Branchenverbände auch mal gefragt wären. Viele Spieler jammern über die Spiele von heute, wobei jeder andere Gründe zu haben scheint...
Meine Idee wäre, dass die Publisher mal soziologisch untersuchen würden, welche Spielertypen und Zielgruppen es so an Spielern gibt.
Vielleicht vergleichbar mit den Sinus-Millieus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sinus-Milieu
Dann hätte man eine Liste von Zielgruppen. Die Publisher könnten dann schonmal einige Gruppen ausschließen (z.B. preisbewusste Gelegenheitsspieler mit niedrigem Anspruch bei Kalypso

), welche sie nicht bedienen wollen. Und sich auf Gruppen konzentrieren die sie können.
Dann käme der zweite Schritt, nämlich die Auflage bestimmter Spiele-Editionen/Serien nach Zielgruppe!
Jede Neuerscheinung wird in eine Serie eingereiht und kosequent auf die Zielgruppe getrimmt. So wie es bei Büchern, Filmen und Musik schon länger läuft.
Idealerweise wäre es dann so: ich laufe durch den Mediamarkt, denke, ich könnte ein neues Spiel gebrauchen. Dann stehe ich vor dem Spieleregal, was schon nach Zielgruppen vorsortiert ist.
Ich gehe dann zu dem Bereich, wo ich schon gute Erfahrungen mit gesammelt habe. Da sehe ich dann neben anderen ein Spiel beispielsweise aus der "blauen Edition" von Kalypso. Von der Sorte hab ich schon einige daheim und wurde nicht enttäuscht, Freunde haben mir auch schon mal von ein oder zwei Kalypso-Titeln aus anderen Serien berichtet... Kalypso steht also für Qualität.. Die Inhaltsangabe der Packung liest sich zudem interessant, also greife ich zu...
So in etwa würde ich mir das vorstellen.
Der Markt für PC-Spiele ist nämlich wahnsinnig groß aber kaum sortiert. Die bisherigen Genre-Grenzen finde ich relativ ungeeignet. Als wenn alle Rollenspiele oder alle Adventures für alle Leute geeignet wären, die schon mehrere Adventures oder Rollenspiele haben.... Krass ist es ja auch bei Rennspielen, Moorhuhnkart und Formel1-Simulationen sprechen sicher andere Zielgruppen an.

Im Laden wird dann auch noch alles zusammengeschmissen, bestenfalls werden Kinderspiele gesondert platziert...
Im Musikbereich gibt es ja auch Zielgruppen-Unterschiede zwischen Scooter und Schiller, obwohl beide im Prinzip elektronische Musik machen.

Oder es gibt Unterschide zwischen Thomas Manns Zauberberg und Schwarzwaldklinik - Das Buch zur Serie
Die Liste liesse sich beliebig verlängern.
Ein Beispiel als Vorbild für Serien wäre z.B. die Edition suhrkamp bei Büchern:
Laut Beschreibung ganz unterschiedliche Inhalte, Interviews, Kurzgeschichten, Lyrik... Die Zielgruppe ist aber trotzdem relativ begrenzt, und die Bücher sehen nebenbei im Regal zusammengestellt toll aus:
http://www.suhrkamp.de/buecher/edition-s..._6151.html
So eine oder mehrere sorgfältig zusammengestellte Editionen für Computerspiele wäre mal eine Errungenschaft.